Damit Fehlerkorrekturen für Legastheniker zur Hilfe werden

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So werden Fehlerkorrekturen ungewollt zur Falle

Fehlerkorrekturen sollen helfen. Doch tun sie das wirklich immer? Was, wenn dadurch genau das Gegenteil erreicht wird? 

Sicher kennen Sie die Geschichte vom Glas, welches zur Hälfte gefüllt ist. Für manche Menschen ist das Glas halb voll, für andere Menschen halb leer.

Werfen wir einen Blick in die Werbung, in die Politik, in Bewerbungsschreiben oder Imagebroschüren, so finden wir immer wieder die Orientierung auf die Vorzüge, auf die Vorteile, auf den Nutzen, auf die Stärken und auf das Gute – also auf das halb volle Glas.

Anders ist es bei der Bewertung von Klassenarbeiten. Sicher erinnern Sie sich noch, dass die Fehler angestrichen wurden. Das ist eine klare Orientierung auf das, was alles nicht gekonnt bzw. nur fehlerhaft gekonnt wird. Bei einer Lese-Rechtschreibschwäche wimmelt es bei Fehlerkorrekturen oft von roten Markierungen. 

Was bedeutet ein halb leeres Glas für Fehlerkorrekturen?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir einen kurzen Blick in die Arbeitsweise unseres Gehirns werfen. Mit der Aufnahme einer Information wird ein Komplex von Vorgängen im Gehirn in Gang gesetzt.

Die zentrale Stelle, in der die Verarbeitung stattfindet, ist das Limbische System. Hier wird die Information aufgenommen und u. a. geprüft, ob diese in Beziehung zu schon anderen bekannten Wissensinhalten stehen. Wird die neue Information als wertvoll, als interessant oder bedeutsam eingestuft, gelangt sie über weitere Schritte schließlich ins Langzeitgedächtnis.

Unter diesem Blickwinkel sind also zwei Sachen wichtig: Das Gehirn baut auf bekanntem Wissen auf und fügt neues Wissen hinzu, wenn dieses bedeutsam ist.

Für Legastheniker ist es typisch, dass sie unterschiedliche Schreibweisen von Wörtern abgespeichert haben, ohne zu wissen, welche davon richtig ist.

Sehr vereinfacht ausgedrückt interpretiert das Gehirn die Wörter, die mit einer Signalfarbe markiert wurden, als bedeutsam und verfestigt das, was bereits abgespeichert wurde – den Fehler. 

Was sollte getan werden, damit bei Fehlerkorrekturen das Glas halb voll ist?

Wenn Sie sich eine Person Ihres Vertrauens als Lernhilfe holen, so ist das gut. Doch diese Person sollte bei der Fehlerkorrektur Folgendes berücksichtigen:

Fehlerkorrekturen

  1. Es sollten nicht die fehlerhaft geschriebenen Wörter, sondern die richtig geschriebenen Wörter markiert werden.
  2. Es sollte niemals mit dem Finger auf falsch geschriebene Wörter gezeigt werden. Vereinbaren Sie, dass richtige Lernergebnisse gelobt werden.

 

 

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